Allein sind wir stark, gemeinsam unschlagbar!“ - dies ist das Motto unserer Familie, seit der Diagnose Krebs unserer Tochter Finja

Während der Sommerferien 2018 bekam Finja, damals gerade 9 Jahre alt, Schmerzen beim Gehen. Nachdem wir mehrere Ärzte aufsuchten, erhielten wir dann im Oktober die Diagnose Ewing Sarkom.

 

Dieser Tumor gehört zu den Knochenkrebserkrankungen und saß am Beckenkamm von Finja. Die Diagnose zog uns den Boden unter den Füßen weg. Wir funktionierten einfach nur noch. Drei Tage später begannen auch schon die Voruntersuchungen. Ihr wurde ein Port eingesetzt, und die erste Chemotherapie begann.

 

Für Finja war das alles sehr schlimm, und sie hat anfangs oft geweint. Während der Zeit im Krankenhaus blieben wir stets an ihrer Seite. Wir fanden im Elternhaus des Magdeburger Förderkreises Unterstützung und konnten so immer in ihrer Nähe sein. Das war für Finja sehr wichtig.

Währenddessen gab es zu Hause viel zu organisieren. Wir mussten das gemeinsame Hochbett von Finja und ihrem Zwillingsbruder Mika abbauen, da sie dort nicht mehr hinein kam. Freunde halfen uns beim Renovieren und bauten das neue Bett auf. Wir erstellten mit Hilfe von Freunden und Familie einen Plan, damit Mika während unserer Zeit in der Klinik stets gut versorgt war und Unterstützung für die Schule hatte. Wir waren überwältigt von der Hilfsbereitschaft aus dem Freundes- und Bekanntenkreis und sind bis heute sehr dankbar dafür.

 

Anfang Dezember bekam Finja ihren eigenen Rollstuhl. Das war für uns eine große Erleichterung, weil sie kaum noch Kraft zum Gehen hatte. Die Chemotherapie schwächte sie sehr, Haare und Wimpern waren weg, teilweise auch die Nägel, und sie nahm weiter ab. Zum Glück konnten wir Weihnachten und Silvester zu Hause verbringen, darüber waren alle sehr froh. Wir feierten in großer Runde mit der ganzen Familie. Das gab Kraft!

Da Finja nicht mehr zur Schule gehen durfte, beantragten wir Heimbeschulung. Dann kam einmal pro Woche ihre Lehrerin nach Hause, und sie übten fleißig. Finja wollte gerne die 4. Klasse schaffen, damit sie weiter mit ihrem Zwillingsbruder Mika zusammen bleiben konnte.

 

Nach den ersten sechs Chemotherapien mussten wir dann entscheiden, ob der Tumor operativ entfernt werden sollte. Da dies ein sehr schwerer Eingriff gewesen wäre, haben wir uns dagegen entschieden. Wir wollten für unsere Tochter lieber die Protonentherapie. Bei dieser wird der Tumor mittels Strahlung zerstört. Für diese Therapie gingen wir sieben Wochen nach Essen. Dort wohnten wir auch im Elternhaus, Finja erhielt 33 Bestrahlungen, dazu parallel zwei Chemotherapien in der Uniklinik in Essen. Die Entfernung zur Familie in dieser Zeit war sehr schwer für alle. Zum Glück wohnte Finjas Tante in der Nähe, die uns in dieser Zeit unterstützte. Auch Oma und Opa nahmen die weite Strecke auf sich und besuchten uns ein Wochenende lang. Zu Ostern kam Mika mit dem Papa nach Essen. Anfang Mai waren wir dann wieder zu Hause.

 

Anfang Juni waren wir dann Gäste des Vereins MaDe for Kid`s e.V. bei den Rock und Metal Day`z im Motopark Oschersleben. Wir hatten dort einen tollen Tag gemeinsam und richtig viel Spaß. Am Abend erhielten wir einen Gutschein für eine Reise nach Binz für die ganze Familie. Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet, und es blieb kein Auge trocken. Kurz darauf feierten unsere Zwillinge ihren 10. Geburtstag. Dies war ein sehr emotionaler Tag für die ganze Familie.

 

Im August stand dann die Nachuntersuchung in Essen an. Dort wurde uns dann bestätigt, dass die Protonentherapie erfolgreich war. Wir konnten unser Glück kaum fassen. Kurz danach hatten wir dann auch die Möglichkeit, mit Unterstützung des Magdeburger Förderkreises, ein paar schöne Tage als Familie zu verbringen. Wir waren gemeinsam in Zethlingen und im Heidepark Soltau. Das tat uns sehr gut nach den vielen Monaten in denen wir doch immer irgendwie getrennt waren.

 

Die 14. und damit letzte Chemotherapie erfolgte Ende August. Wir waren einfach nur dankbar, dass es endlich überstanden war. Die Abschlussuntersuchungen waren im Oktober. Ende November ging es mit der ganzen Familie zur Reha in die „Katharinenhöhe“ in den Schwarzwald. Wir haben die Zeit dort sehr genossen und viele tolle Familien kennen gelernt.

 

Finja besucht jetzt wieder die Grundschule und wiederholt die 4. Klasse doch nochmal. Nach dem Unterricht trifft sie sich mit Freunden, geht wieder zum Badminton, fährt Fahrrad oder Hoverboard.

 

Wir sind so unglaublich stolz auf sie. Trotz der schweren Zeit ist sie stets fröhlich und hat immer ein Lächeln auf dem Gesicht. Wir sind sehr dankbar für die viele Hilfe und Unterstützung, die wir erfahren durften. Ohne all diese tollen Menschen hätten wir diese schwierige Zeit niemals überstanden."

 

Andrea, Maik, Mika und Finja Sievert aus Hamersleben

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